C&C Chess Club

Doppelter Randbauer — die Ecke hält auch zwei

Remis Weiß am Zug · Bauernendspiel · Schwierigkeit etwa Elo 1100

Stellung: 8/1k6/8/1K6/P7/P7/8/8 w - - 0 1
Weiß am Zug · FEN 8/1k6/8/1K6/P7/P7/8/8 w - - 0 1

Der Plan

Zwei ganze Bauern mehr — und trotzdem nur remis. Gegen den Randbauern zählt nicht das Material, sondern ein einziges Feld: die Ecke. Der weiße König bekommt den schwarzen dort nie heraus, ohne ihn patt zu setzen, und der zweite Bauer ändert daran nichts — er liefert bloß Wartezüge, und Wartezüge helfen gegen Zugzwang, nicht gegen Geometrie. Gemessen: in der Ausgangsstellung halten ALLE fünf weißen Züge das Remis; Weiß kann hier nichts falsch machen und ebenso wenig etwas gewinnen. Wie sehr alles an der Linie hängt und nicht an der Zahl der Bauern, zeigt die Gegenprobe: stellt man einen der beiden Bauern auf irgendeine der sieben übrigen Linien, gewinnt Weiß in allen neun gemessenen Fällen. Und die Feinheit dazu: ein einzelner b-Bauer auf der vierten Reihe hält hier ebenfalls nur remis, derselbe Bauer eine Reihe tiefer — wo er ein Reservetempo behält — gewinnt. Ein Tempo entscheidet also sehr wohl Partien, nur eben nicht am Rand, wo die Ecke jedes Tempo verschluckt. Schwarz kann in diesem Endspiel genau einen Fehler machen, nämlich die Ecke verlassen; im entscheidenden Augenblick hält von zwei Zügen nur noch einer.

Merksatz: beim Randbauern zählt man nicht Bauern, man zählt Felder.

Warum diese Stufe: Auch zwei Randbauern halten nicht mehr

Die Lösung, Zug für Zug

  1. 1. a5 Weiß schiebt an, was zu schieben ist. Es ist völlig gleichgültig: alle fünf Züge der Ausgangsstellung führen gemessen zum selben Remis.
  2. 1… Kb8 Schwarz pendelt stur zwischen a8 und b8 — mehr braucht es nicht.
  3. 2. Kb6 Der König rückt so nah heran, wie es überhaupt geht. Auf jeder anderen Linie wäre das die Gewinnstellung; am Rand fehlt ihm das Umgehungsfeld auf der anderen Seite des Bauern.
  4. 2… Ka8 Zurück in die Ecke. Noch hält hier auch der Schritt nach c8 — beide Züge sind gemessenes Remis. Eng wird es für Schwarz erst, wenn der Bauer die siebte Reihe erreicht hat.
  5. 3. a6
  6. 3… Kb8 Erzwungen und trotzdem sicher: Schwarz hat hier überhaupt nur diesen einen Zug, und er genügt.
  7. 4. a7+ Weiß versucht alles: der Bauer rückt mit Schach ein —
  8. 4… Ka8 Der EINZIGE haltende Zug von zweien. Ein Schritt nach c8 statt in die Ecke, und die Partie wäre verloren (Nebenvariante). Das ist der ganze Fehler, den Schwarz in diesem Endspiel machen kann.
    Nebenvariante 4… Kc8 Der einzige Fehler, den Schwarz in diesem Endspiel überhaupt machen kann: die Ecke verlassen. 5. Kc6 Sofort schneidet der weiße König ihm den Rückweg ab. Ohne die Ecke ist der Randbauer plötzlich so stark wie jeder andere Bauer. 5… Kd8 6. Kb7 Ke7 7. a8=D Die Dame steht. Nicht das Material hat entschieden, sondern das eine Feld a8.
  9. 5. a4 — und das letzte 'Wartetempo' setzt PATT. Auch der zweite Randbauer konnte den Fluch der Ecke nicht brechen: remis.
    Nebenvariante 5. Kc6 Statt des Pattzuges der Versuch, dem Patt auszuweichen: der König tritt beiseite und gibt dem Gegner Luft. 5… Kxa7 Dann fällt eben der Bauer — und mit dem zweiten Randbauern beginnt dasselbe Spiel von vorn. Auch so bleibt es remis: der Randbauer gewinnt nicht, ob es nun einer ist oder zwei. 6. Kb5 Kb7

Selbst durchspielen

In der kostenlosen App C&C Chess Club klickst du die Linie Zug für Zug durch, tippst die Nebenvarianten an und spielst die Stellung gegen Stockfish aus — ohne Konto, ohne Werbung.

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