C&C Chess Club

Der Dreieckszug — ein Tempo verlieren

Weiß gewinnt Weiß am Zug · Bauernendspiel · Schwierigkeit etwa Elo 1300

Stellung: 8/3k4/3p4/3P4/8/2K5/8/8 w - - 0 1
Weiß am Zug · FEN 8/3k4/3p4/3P4/8/2K5/8/8 w - - 0 1

Der Plan

Ein Tempo verlieren zu WOLLEN ist der Gedanke, den ein Vereinsspieler an dieser Stellung zum ersten Mal begreift, und er braucht dafür meist einen Anlauf. Die beiden Bauern blockieren einander und rühren sich nie wieder; damit bleibt als einzige Währung das Zugrecht übrig. Wer mit dem König als erster weichen muss, gibt Boden preis. Weiß hat einen Vorteil, den man auf den ersten Blick nicht sieht: seinem König steht auf seiner Seite ein Feld mehr zur Verfügung als dem schwarzen auf dessen Seite. Deshalb kann er ein kleines Dreieck ablaufen und nach zwei Zügen genau dort wieder ankommen, wo er losgegangen war — nur ist inzwischen der GEGNER am Zug. Der schwarze König kann das nicht nachmachen: ihm fehlt das dritte Feld, er muss zwischen zweien pendeln und ist nach zwei Zügen wieder selbst dran. Dass daran der ganze Punkt hängt, ist an derselben Stellung zweimal gemessen. Das entscheidende Königspaar mit SCHWARZ am Zug: alle fünf schwarzen Züge verlieren. Dasselbe Bild mit WEISS am Zug: alle vier weißen Züge sind remis. Ein Brett, ein Material, ein einziger Unterschied — das Zugrecht. Die Startstellung sagt es noch einmal: mit Weiß am Zug gewinnt genau einer von acht Zügen, mit Schwarz am Zug ist sie remis. Dieselbe Idee steht in dieser Sammlung noch zweimal: einmal ganz nackt als die Wippe, bei der schlicht verliert, wer ziehen muss, und einmal als Opposition über die ganze Brettbreite. Drei Namen für eine Sache.

Merksatz: wenn beide Könige nur warten können, gewinnt der, der einen Zug mehr zu verschwenden hat.

Warum diese Stufe: Ein Tempo verlieren WOLLEN — der Gedanke muss erst reifen

Die Lösung, Zug für Zug

  1. 1. Kb4 Der EINZIGE Gewinnzug unter acht — die sieben anderen sind alle nur remis. Weiß peilt das Eindringen an, geht aber ausdrücklich noch nicht hin: die Nebenvariante zeigt, warum der gerade Weg nichts einbringt.
    Nebenvariante 1. Kc4 Der geradeste Weg und einer von sieben Zügen, die den Gewinn sofort wegwerfen. Der König marschiert stur auf sein Ziel zu — und kommt dort im falschen Takt an. 1… Kc7 Schwarz spiegelt einfach. 2. Kb5 Kb7 Der EINZIGE Zug: König gegenüber König, Weiß am Zug. Das ist genau die Stellung, die Weiß mit dem Dreieck vermeiden wollte. 3. Kc4 Kc7 4. Kb4 Jetzt doch noch das Dreieck? Zu spät — der schwarze König steht nicht mehr eingeengt und hat selbst Platz zum Ausweichen. 4… Kb6 Remis. Ein Tempo zu verlieren nützt nur dann etwas, wenn der Gegner keines übrig hat.
  2. 1… Kc7 Schwarz muss mitgehen und dem König die Tür zuhalten. Gerettet ist damit nichts: ab hier verlieren alle fünf Züge, die er hat.
  3. 2. Ka5 DER Kernzug: Weiß geht in die falsche Richtung. Wieder der einzige haltende Zug unter sieben — das direkte Vorrücken wäre jetzt nur remis, und genau das steht als Nebenvariante daneben.
    Nebenvariante 2. Kb5 Der ungeduldige Zug: Weiß geht sofort dorthin, wo er hinwill. Damit betritt er das entscheidende Bild aber mit dem falschen Zugrecht. 2… Kb7 Der EINZIGE Zug, den Schwarz hat — und mehr braucht er auch nicht: die Opposition gehört jetzt ihm. 3. Ka5 Der zweite Versuch, das Dreieck doch noch zu laufen. Zu spät: Schwarz hat auf seiner Seite dieselbe Ausweichmöglichkeit, solange er nicht in die Enge gedrängt ist. 3… Ka7 Wieder der einzige Zug, und wieder findet Schwarz ihn mühelos. 4. Kb5 Kb7 Dieselbe Stellung wie zwei Züge zuvor, und wieder ist WEISS am Zug — Remis. Das Dreieck muss VOR dem Betreten des entscheidenden Feldes gelaufen werden, nicht danach.
  4. 2… Kb7 Schwarz zieht nach und kann dabei nichts anderes tun als hin und her. Sein Bauer ist blockiert, also hat er keinen Zug zu verschenken — genau darin besteht der ganze Unterschied zwischen den beiden Königen.
  5. 3. Kb5 Das Dreieck ist geschlossen: dieselbe Königsstellung wie zwei Züge zuvor, aber jetzt muss SCHWARZ ziehen. Gemessen ist dieses Bild von beiden Seiten — mit Schwarz am Zug verliert Schwarz alle fünf Züge, mit Weiß am Zug halten alle vier das Remis.
  6. 3… Kc7 Schwarz muss die Opposition abgeben. Er hat keinen Wartezug; sein Bauer ist blockiert und kann ihm keinen schenken.
  7. 4. Ka6 Die Umgehung beginnt. Ab hier ist nichts mehr kunstvoll — der weiße König läuft schlicht an dem schwarzen vorbei.
  8. 4… Kc8
  9. 5. Kb6
  10. 5… Kd7
  11. 6. Kb7
  12. 6… Kd8
  13. 7. Kc6
  14. 7… Ke7
  15. 8. Kc7
  16. 8… Kf6
  17. 9. Kxd6 Der Lohn des Manövers: der Bauer fällt. Alles, was diesen Punkt gebracht hat, waren zwei Königszüge in die scheinbar falsche Richtung.
  18. 9… Kf7
  19. 10. Kc6
  20. 10… Kf6
  21. 11. d6 Erst jetzt darf der Bauer los, und auch nur, weil der eigene König ihm voraus ist. Erst der König, dann der Bauer — immer.
  22. 11… Ke6
  23. 12. d7
  24. 12… Ke7
  25. 13. Kc7 Der EINZIGE Zug unter zehn: der König deckt das Umwandlungsfeld. Wer hier den Bauern zieht, hat aus einem gewonnenen Endspiel ein remises gemacht.
  26. 13… Ke6
  27. 14. d8=D Die Dame steht. Angefangen hat das damit, dass Weiß zwei Züge lang bewusst nichts tat. Merksatz: wenn beide nur warten können, gewinnt der, der einen Zug mehr zu verschwenden hat.

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