Springer gegen getrennte Freibauern — das Doppelfeld
8/8/8/6k1/8/p2p4/8/1N4K1 w - - 0 1Der Plan
Ein Springer allein gegen zwei Freibauern. Solange die Könige nicht mitreden, ist die Trennung für den Springer ein Geschenk: bei zwei Bauern nebeneinander halten fünfundzwanzig von vierundfünfzig Springerfeldern das Remis, bei getrennten Bauern vierundvierzig. Der Läufer hätte es genau umgekehrt gern — er bewacht nur eine Feldfarbe und will beide Bauern auf derselben Diagonale sehen; der Springer sucht ein Feld, von dem aus er beide Umwandlungsfelder zugleich erreicht. Grenzenlos gilt das nicht. Über alle Königsstellungen gerechnet ist EINE Trennlinie das Beste: rund einundsechzig von hundert Stellungen halten, gegen knapp fünfzig bei verbundenen Bauern. Stehen die Bauern drei oder vier Linien auseinander, sind es nur noch sechsunddreißig — also weniger als bei verbundenen. Zu weit getrennt ist für den Springer schlechter als gar nicht getrennt, weil er vom einen Umwandlungsfeld zum anderen nicht mehr in zwei Sprüngen kommt. Genau an dieser Grenze steht die Stellung hier, und es reicht gerade noch: einer von acht Zügen findet das richtige Feld, die anderen sieben verlieren, der gierige Bauernraub eingeschlossen. Danach geht es in Pendelschritten — einen Bauern mit Schach abholen und mit dem gewonnenen Tempo vor den anderen zurückspringen. Die zweite Grenze ist die Reihe: rücken beide Bauern nur einen Schritt vor, hält kein einziges Springerfeld mehr.
Merksatz: Getrennte Bauern sind das Revier des Springers — aber nur, solange er von einem Umwandlungsfeld zum anderen in zwei Sprüngen kommt.
Warum diese Stufe: Pendeln statt Jagen: die Grundtechnik des Springers gegen zwei Freibauern
Die Lösung, Zug für Zug
- 1. Sc3 Der EINZIGE haltende Zug von acht. Von c3 aus bewacht der Springer a2 und d1 zugleich — beide Bauern haben ihr nächstes Ziel besetzt vorgefunden. Das ist das Doppelfeld, um das sich das ganze Stück dreht. Der naheliegende Raub auf a3 führt den Springer auf ein Feld, von dem aus er d1 nie mehr erreicht (erste Nebenvariante).Nebenvariante 1. Sxa3 Ein Bauer steht da und ist zu haben — der menschlichste Zug der Stellung und zugleich der endgültige Fehler. Vom Randfeld a3 aus erreicht der Springer in einem Zug nur b1, c2, c4 und b5; kein einziges dieser Felder bewacht d1. 1… d2 Der EINZIGE Gewinnzug von neun, und ein sehr einfacher: der verbliebene Bauer geht auf die vorletzte Reihe. Alles andere wäre immer noch remis. 2. Sb1 Der Springer eilt zurück und greift den Bauern sogar an — nur greift er das falsche Feld an. Von b1 sieht er d2, aber nicht d1, und ein Bauer auf der vorletzten Reihe fragt nicht danach, ob er angegriffen wird. 2… d1=D+ Umgewandelt, mit Schach. Dame gegen Springer ist gewonnen — das kostet den Punkt.
- 1… d2 Schwarz schiebt den Bauern an dem Springer vorbei bis auf die vorletzte Reihe. Umwandeln kann er trotzdem nicht: d1 ist bewacht. Der Bauer steht jetzt allerdings so weit vorn, dass der Springer ihn nicht mehr aus der Ferne beobachten darf.Nebenvariante 1… a2 Der andere Versuch: Schwarz schickt den Randbauern vor. Auch das hält das Remis nicht auf, zeigt das Pendel aber in seiner reinsten Form. 2. Sxa2 Der EINZIGE haltende Zug von dreizehn. Der Bauer ist auf ein Feld gelaufen, das der Springer bewacht — also wird er genommen, sofort und ohne Umschweife. 2… d2 Nun der andere Bauer, mit demselben Anspruch. 3. Sc3 Der EINZIGE haltende Zug von acht — das Pendel schwingt zurück auf genau das Feld, von dem es losgegangen ist. Von c3 bewacht der Springer d1, und der Bauer bleibt stehen, wo er ist. Zwei Felder, ein Springer, beide Bauern erledigt: das ist der ganze Inhalt des Stücks.
- 2. Se4+ Der EINZIGE haltende Zug von dreizehn — und der Grund, warum diese Stellung überhaupt remis ist. Der Springer greift den Bauern auf d2 an und gibt im selben Augenblick Schach. Nur weil der schwarze König auf g5 steht, ist e4 ein Schachfeld; von den acht Nachbarfeldern des Königs taugt nur eines ebenso gut, auf den sieben anderen ist die Stellung für Weiß verloren. Der Springer davor auf das Umwandlungsfeld zu stellen verliert (zweite Nebenvariante).Nebenvariante 2. Sd1 Der zweite naheliegende Gedanke: der Springer setzt sich selbst auf das Umwandlungsfeld und sperrt den Bauern körperlich. Das hält genau diesen einen Bauern auf — und genau deshalb verliert es. 2… a2 Denn nun läuft der andere. Der Springer steht auf d1 fest: geht er weg, wandelt der Bauer hinter ihm um, bleibt er stehen, wandelt der Bauer vorn um. Das ist der Unterschied zwischen Sperren und Bewachen — wer sperrt, bindet sich selbst, wer bewacht, bleibt beweglich. 3. Se3 Der Springer versucht es doch noch und läuft los. Ein Feld, von dem aus er a1 UND d1 bewacht, gibt es von d1 aus nicht. 3… a1=D+ Der Bauer, den niemand angesehen hat, wird Dame.
- 2… Kf4 Der König muss aus dem Schach und geht dabei gleich den Springer angreifen. Das ändert nichts — der gewonnene Halbzug ist schon verbucht.
- 3. Sxd2 Der EINZIGE haltende Zug von dreizehn. Der Springer ist angegriffen und schlägt zugleich; genau dafür war das Schach da. Zieht er statt dessen auf sein Doppelfeld zurück, kommt er einen Halbzug zu spät (dritte Nebenvariante).Nebenvariante 3. Sc3 Der Springer geht auf sein bewährtes Doppelfeld zurück, statt zu schlagen. Vor zwei Halbzügen war das der einzige haltende Zug — jetzt ist es der Verlust. Der Unterschied ist der schwarze König, der inzwischen näher steht. 3… Ke3 Der König stellt sich neben den Bauern. Damit ist das Bewachen wertlos geworden: der Springer deckt d1 zwar, aber wenn er dort schlägt, nimmt der König ihn zurück. 4. Sb1 Der Springer weicht aus. Es gibt keine Rettung mehr; die Tablebase gibt Weiß in jeder Variante verloren. 4… d1=D+ Und der Bauer, dessen Umwandlungsfeld die ganze Zeit bewacht war, wird Dame. Ein Bewacher, den der gegnerische König schlagen darf, bewacht nichts.
- 3… a2 Jetzt läuft der zweite Bauer. Das Pendel muss auf die andere Seite schwingen, und dafür hat der Springer wieder nur ein Feld.
- 4. Sb3 Der EINZIGE haltende Zug von elf. Von b3 aus bewacht der Springer a1. Der Bauer steht schon auf der vorletzten Reihe, also zählt nicht mehr, ob der Springer ihn angreift, sondern nur, ob er sein Umwandlungsfeld sieht.
- 4… Ke3 Der schwarze König kommt heran und will den Bauern durchbringen. Zu spät — der Springer hat sein Feld schon.
- 5. Sa1 Der Springer setzt sich vor den Bauern. Das ist beim Randbauern die sicherste Blockade, die es gibt: schlägt der schwarze König den Springer irgendwann auf a1, steht er in der eigenen Ecke, sein eigener Bauer nimmt ihm das letzte Feld, und die Partie endet patt.
Selbst durchspielen
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Weitere Stücke: Leichtfigurenendspiel
- Randbauer mit Springern — der König muss in die Ecke Remis
- Ungleichfarbige Läufer — zwei Mehrbauern halten nicht Remis
- Falscher Läufer — zwei h-Bauern sind so viel wert wie einer Remis
- Ungleiche Läufer — zwei getrennte Freibauern gewinnen Weiß gewinnt
- Gleichfarbige Läufer — die sechste Reihe entscheidet Weiß gewinnt
- Zwei Springer gegen einen Bauern — gewonnen und trotzdem remis Weiß gewinnt