Zwei Springer gegen einen Bauern — gewonnen und trotzdem remis
7k/8/2K5/p5N1/8/4N3/8/8 w - - 0 1Der Plan
Zwei Springer setzen den blanken König nicht matt. Man kann ihn in die Ecke sperren, aber der letzte Zug fehlt: der Verteidiger wäre patt, bevor etwas passiert. Ein einziger gegnerischer Bauer hebt das auf — er hat immer noch einen Zug, also gibt es kein Patt mehr, und damit wird die Stellung theoretisch gewinnbar. Das Rezept dazu ist alt und einfach: ein Springer setzt sich VOR den Bauern und hält ihn fest, der andere Springer und der König treiben den nackten König in die Ecke, und erst wenn das Mattnetz steht, wird der Bauer freigegeben oder abgeholt. Wo der Bauer dabei steht, entscheidet alles: blockiert auf a4 oder weiter hinten ist die Stellung gewonnen, einen Schritt weiter vorn ist sie tot remis — das ist die Troitzki-Grenze, und sie lässt sich auf dem Brett abzählen. Hier gibt es nur zwei Züge von zweiundzwanzig, die den Gewinn halten, nämlich genau die beiden Springersprünge, die im nächsten Zug das Blockadefeld erreichen; die anderen zwanzig sind sofort echtes Remis. Und trotzdem darf man am Brett nicht darauf spielen: bis zum Matt sind es hundertneunundsiebzig Halbzüge, also neunzig Züge, und allein bis zum Bauern sind es hundertsechs Halbzüge ohne einen einzigen Schlag und ohne einen einzigen Bauernzug — die Fünfzig-Züge-Regel ist drei Züge schneller als der Gewinn. Nimmt man den Bauern vom Brett, meldet dieselbe Stellung glatt Remis: der Bauer, den man so gern schlagen möchte, ist der einzige Grund, warum überhaupt etwas zu holen ist.
Merksatz: Zwei Springer gegen einen Bauern sind auf dem Papier gewonnen und am Brett remis — nicht darauf spielen, und als Verteidiger niemals aufgeben.
Warum diese Stufe: Gewonnen und trotzdem remis: die 50-Züge-Regel als eigene Lehre
Die Lösung, Zug für Zug
- 1. Sc4 Einer von nur zwei Zügen aus zweiundzwanzig, die den Gewinn halten — der zweite ist der Sprung nach c2, und beide haben denselben Grund: nur von c4 und von c2 aus erreicht der Springer im nächsten Zug das Blockadefeld a3. Alle anderen zwanzig Züge machen aus der Stellung auf der Stelle echtes Remis, weil der Bauer dann an der Blockade vorbeikommt (erste Nebenvariante). Nebenbei greift der Springer von c4 aus den Bauern an.Nebenvariante 1. Kb5 Der natürliche Zug: der König geht den Bauern holen. Einer von zwanzig Zügen, die den Gewinn wegwerfen — und er wirft ihn weg, bevor er überhaupt in Gang gekommen ist. 1… a4 Der EINZIGE haltende Zug für Schwarz, und er fällt nicht schwer: der Bauer läuft an der Blockade vorbei. 2. Sc4 Jetzt kommt der Springer — einen Zug zu spät. Er will immer noch nach a3, aber das Feld ist gleich besetzt. 2… a3 Wieder der EINZIGE haltende Zug, und wieder der naheliegende: der Bauer setzt sich selbst auf das Blockadefeld. Ab hier ist er nicht mehr aufzuhalten, ohne ihn zu schlagen. 3. Sxa3 Erzwungen, und damit erledigt. König und zwei Springer gegen den blanken König ist kein Gewinn: Matt ist auf dem Brett zwar darstellbar, aber nicht erzwingbar — der Verteidiger wäre vorher patt.
- 1… Kg7
- 2. Se6+Nebenvariante 2. Sxa5 Das Schlagen des Bauern ist der lehrreichste Fehler des ganzen Endspiels: es sieht nach Materialgewinn aus und ist in Wahrheit ein Remisangebot. Weiß steht danach mit zwei Springern gegen den blanken König da. 2… Kh8 3. Kd6 Weiß darf jetzt tun, was er will. Der König kann heran, die Springer können sich aufstellen — das Ergebnis ändert sich nicht mehr. 3… Kg8 4. Ke7 Kh8 5. Kf7 Und so endet es: Patt. Der schwarze König ist eingesperrt, alle Fluchtfelder sind gedeckt, er steht nicht im Schach und kann nicht ziehen. Genau dieses Bild ist der Grund, warum zwei Springer allein nicht matt setzen — und warum der Bauer, den Weiß hier geschlagen hat, seine Lebensversicherung war.
- 2… Kg8
- 3. Sc5 Der zweite Springer kommt dazu. Jetzt steht der Bauer unter Beschuss und das Feld vor ihm ist ebenfalls gedeckt — er kann weder bleiben noch gehen, ohne angegriffen zu werden. Schwarz hat sechs Züge, und nur einer davon rettet noch das halbe Ergebnis.
- 3… a4 Der einzige Zug, mit dem Schwarz praktisch remis bleibt — und er sieht wie eine Kapitulation aus, denn der Bauer stellt sich freiwillig auf ein gedecktes Feld. Genau das ist die Pointe: Schwarz BIETET den Bauern an, weil Schlagen Remis wäre. Die fünf Königszüge verlieren dagegen innerhalb der fünfzig Züge, weil der König dabei Richtung Ecke gerät (dritte Nebenvariante). Der Bauernzug stellt außerdem die Uhr der Fünfzig-Züge-Regel zurück und schenkt dem Verteidiger die Zeit, die Weiß fehlt.Nebenvariante 3… Kh8 Der Verteidiger hält seinen Bauern zurück und geht mit dem König in die Ecke — beides falsch. In der Ecke steht er dem Mattnetz freiwillig näher, und der zurückgehaltene Bauernzug nutzt später nichts mehr. 4. Kd6 a4 Jetzt muss der Bauer doch laufen, alle vier Züge verlieren. Nur ist der Zeitgewinn dahin: aus der Ecke heraus braucht Weiß von hier an deutlich weniger, und der Gewinn ist mit einem Mal ein echter. 5. Sa3 Der EINZIGE Gewinnzug von zweiundzwanzig — dieselbe Blockade wie in der Hauptlinie. Der Unterschied liegt allein im schwarzen König: weil er in der Ecke steht, braucht die Tabelle von hier nur noch einundneunzig Halbzüge statt hundertneun — und damit passt der Gewinn in die Fünfzig-Züge-Regel hinein. 5… Kg7 6. Ke6 Kg6 7. Se4 Wieder der EINZIGE Zug, der gewinnt. Der freie Springer nimmt dem König die Felder zur Mitte hin, und der Rest ist Handwerk — diesmal rechtzeitig. 7… Kh5 8. Kf5
- 4. Sa3 Der EINZIGE Gewinnzug von dreiundzwanzig. Der Springer setzt sich vor den Bauern und rührt sich von diesem Feld bis zum Schluss nicht mehr. Alle anderen zweiundzwanzig Züge sind Remis, das Schlagen des Bauern eingeschlossen — und genau deshalb ist a3 hier kein Angriffsfeld, sondern ein Gefängnis.
- 4… Kg7
- 5. Kd5 Ab hier arbeitet nur noch die andere Hälfte des Materials: König und der freie Springer treiben, der Blockadespringer schaut zu. Das ist der Grund, warum alles so lange dauert — Weiß spielt das Endspiel faktisch mit einer Figur weniger.
- 5… Kf6
- 6. Ke4 Kein Rückzieher, sondern ein Tempoverlust mit Absicht. Der König macht einen Umweg und steht danach demselben Gegner mit der Opposition gegenüber. Springer können kein Tempo verlieren, ohne ihren Posten aufzugeben — dieses Manöver kann nur der König leisten, und es kostet Züge, von denen es hier zu wenige gibt.
- 6… Ke7
- 7. Ke5
- 7… Kf7
- 8. Se4 Der freie Springer sucht sich einen Posten, von dem aus er dem schwarzen König Felder wegnimmt. Er ist der einzige, der das kann; der Kollege auf a3 hat seine Aufgabe.
- 8… Ke7
- 9. Sf6
- 9… Kf7
- 10. Sd5
- 10… Kg7 Nach zehn Zügen steht der schwarze König noch frei, und die Tabelle braucht von hier noch sechsundneunzig Halbzüge bis zum nächsten Schlag oder Bauernzug. Vierzehn Halbzüge sind seit dem Bauernzug schon verbraucht — zusammen hundertzehn, und erlaubt sind hundert. Genau das ist der verfluchte Gewinn: die Methode stimmt, die Uhr nicht.
Selbst durchspielen
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Weitere Stücke: Leichtfigurenendspiel
- Ungleiche Läufer — zwei getrennte Freibauern gewinnen Weiß gewinnt
- Springer gegen Läufer — die feste Kette auf einer Farbe Weiß gewinnt
- Ungleichfarbige Läufer — zwei Mehrbauern halten nicht Remis
- Der schlechte Läufer — Bauern auf der eigenen Farbe Weiß gewinnt
- Springer gegen getrennte Freibauern — das Doppelfeld Remis
- Randbauer mit Springern — der König muss in die Ecke Remis