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Der Außenfreibauer — wann der Turm ihn loslassen darf

Weiß gewinnt Weiß am Zug · Turmendspiel · Schwierigkeit etwa Elo 1700

Stellung: 8/r7/P1k3p1/R6p/3K3P/6P1/8/8 w - - 0 1
Weiß am Zug · FEN 8/r7/P1k3p1/R6p/3K3P/6P1/8/8 w - - 0 1

Der Plan

So sieht es aus, wenn die Tarrasch-Regel gewirkt hat: der weiße Turm steht HINTER seinem Außenfreibauern, der schwarze klebt davor. Der Unterschied zwischen den beiden Türmen ist der ganze Punkt. Der weiße hat den Bauern von hinten geschoben und dabei die Wahl behalten, wohin er als nächstes geht; der schwarze hat nur noch eine Aufgabe, nämlich aufzupassen, und deshalb spielt Weiß praktisch mit einem Turm mehr. Der schwarze König ist inzwischen an den Damenflügel gelockt und von seinen eigenen Bauern abgeschnitten — die stehen jetzt ohne jede Deckung da. Damit ist die Arbeit des Freibauern getan, und er darf sogar hergegeben werden: der Turm lässt ihn los und holt sich drüben die Ernte. Dass er dabei ungestraft hängen bleibt, ist die Feinheit dieses Stücks — der Bauer ist vergiftet. Der schwarze Turm steht auf der a-Linie und der schwarze König auf der sechsten Reihe; wer in dieser Aufstellung nach dem Bauern greift, landet mit dem Turm genau auf der Reihe, auf der gleich das Schach einschlägt, und verliert ihn. Zweimal hängt der Bauer in diesem Stück, und zweimal kostet das Zugreifen den Turm — beides ist nachgerechnet und steht als Nebenvariante da.

Merksatz: Der Außenfreibauer bindet den gegnerischen Turm; wenn er fällt, hat er seine Arbeit längst getan.

Warum diese Stufe: Außenfreibauer verwerten — eine Stufe über dem Remis-Zwilling

Die Lösung, Zug für Zug

  1. 1. Tg5 Der Schwenk zur Ernte. Der Turm verlässt seinen Freibauern und greift den ersten Bauern an — a6 hängt jetzt ungedeckt da. Der Zug trägt nur, weil der Bauer vergiftet ist: der Zugriff scheitert am Schach auf der sechsten Reihe (erste Nebenvariante).
  2. 1… Ta8 Schwarz lässt den vergifteten Bauern stehen und geht in die Ecke zurück. Der Turm bleibt, was er die ganze Partie war: ein Gefangener der a-Linie.
    Nebenvariante 1… Txa6 Der naheliegende Griff nach dem Freibauern — 2. Txg6+ — und schon steht der schwarze König im Schach. Der Turm auf a6 stand nur so lange sicher, wie ihn der eigene König auf der sechsten Reihe abgeschirmt hat. 2… Kc7 Der König muss aus der Reihe heraus, 3. Txa6 und der Turm fällt. Genau deshalb muss Schwarz den Bauern stehen lassen — der Außenfreibauer ist bis zuletzt vergiftet.
  3. 2. Txg6+ Die Ernte, und zwar mit Schach. Dass hier ein Schach kommt, ist der Grund, warum der ganze Plan trägt.
  4. 2… Kc7 Der König muss aus der sechsten Reihe heraus; Schwarz hat nichts dagegen zu setzen.
  5. 3. Th6 Der Turm nimmt sich Zeit und stellt sich neben den zweiten Bauern. Auch jetzt ist a6 noch tabu — die zweite Nebenvariante zeigt dieselbe Pointe ein zweites Mal, diesmal tablebase-exakt.
  6. 3… Kb8
    Nebenvariante 3… Txa6 Zwei Züge später dieselbe Versuchung — und dieselbe Antwort. Hier braucht Weiß nicht einmal mehr ein Schach: sein Turm steht bereits auf der sechsten Reihe. 4. Txa6 Der Turm fällt, und mit ihm die Partie. Diese Variante liegt mit sieben und sechs Steinen ganz in der Tablebase und ist damit exakt, nicht nur engine-gestützt.
  7. 4. Txh5 Der zweite Bauer fällt. Turm und drei Bauern gegen den blanken Turm — und der schwarze Turm hat die ganze Zeit nur zwischen a7 und a8 gependelt. Das ist der Preis des Außenfreibauern. Ab hier stehen sieben Steine, die Tablebase entscheidet: gewonnen.

Selbst durchspielen

In der kostenlosen App C&C Chess Club klickst du die Linie Zug für Zug durch, tippst die Nebenvarianten an und spielst die Stellung gegen Stockfish aus — ohne Konto, ohne Werbung.

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